Rhönmomente Gründungsgeschichte im HU-Magazin Bayern

Rhönmomente Gründungsgeschichte im HU-Magazin Bayern

 

„Lass es uns machen, es wird schon klappen“

Mit einer guten Idee und viel Mut gründeten zwei Brüder die „Rhönmomente“

Sie hatten gute Jobs, fanden das aber nicht erfüllend. Um sich einen gemeinsamen Traum zu verwirklichen, sparten sie ihr Ausbildungsgehalt und kauften sieben Alpakas – eine Investition in ihr Unternehmen und die Zukunft als Macher der „Rhönmomente“. Viele rieten davon ab, manche lachten sogar über die Idee. Abgebracht von ihrem Pfad hat das die innovativen Brüder nicht. Inzwischen haben sie 26 Alpakas, 11 Angestellte, einen Laden und holen Jahr für Jahr Tausende Besucher in die Rhön.

Marc-André und Florian Janz – zwei Brüder, eine Geschichte und niemand kann die so gut erzählen, wie die beiden selbst. Deshalb lassen wir hier die erfolgreichen jungen HeimatUnternehmer einfach selbst zu Wort kommen:

Als wir Rhönmomente gründeten, wussten wir nicht, dass sich unser Leben ab nun verändern würde. Wir sind Brüder. Marc-André (damals 17) und Florian (damals 21). Unsere Jobs in der Industrie langweilten uns. Also beschlossen wir – bei einem Feierabendbier in unserem Baumhaus – ab jetzt unser eigenes Ding zu machen.

Genau am 1. Oktober 2018 haben wir unsere Idee „Rhönmomente“ veröffentlicht. Beim Weisbacher Oktoberfest, eines der schönsten Feste in der Rhön, liefen wir am Sonntag vor mehreren Tausend Menschen mit unseren sieben Alpakas beim Festzug mit. Man kann sich vorstellen – die Aufregung war groß! 

„Wie weiß man, was einem sein ganzes Leben Spaß macht?“

Als kleine Jungs hatten wir unsere Großeltern bei ihrer täglichen landwirtschaftlichen Arbeit unterstützt. Ein paar Kühe, Hühner, Schweine und Pensionspferde. Im Sommer durften wir auf der Hochrhön Heu machen und es machte uns einfach unfassbar viel Spaß. Dieser Moment ist mit nichts vergleichbar! Man steht inmitten seiner Wiese, die Rhönluft weht das leichte Heu auf, man schaut in die Ferne und da ist es – ein Glücksgefühl, das trotz der Arbeit unbezahlbar ist!

Durch unsere Liebe zur Rhön haben wir viel draußen in der Natur unternommen, sind mit den Mofas umhergefahren und haben Baumhäuser gebaut. So auch unser Baumhaus auf der damaligen Koppel unseres Ur-Großvaters. Jeden Tag nach der Schule bzw. Ausbildung sind wir dort hingefahren. Irgendwann saßen wir dann da, haben in die Ferne geschaut, Bier getrunken und philosophierten über das Leben und sprachen darüber, wie geil es wäre, morgens aufzustehen und einfach das zu machen, auf was man Lust hat. Eine schöne Vorstellung. Doch wie sollte man so etwas finden? Wie weiß man denn, was einem sein ganzes Leben Spaß macht? Flo scherzte dann herum und sagte: Naja, dann kaufen wir uns halt einfach ein paar Alpakas – so wie die aussehen, muss man einfach Spaß haben.

Wir lachten und stellten uns dann vor, wie es wäre, wenn vor uns Alpakas den Berg abgrasen würde. Am nächsten Tag machte sich ein bisher unbekanntes Gefühl in uns bemerkbar. Neben leichten Kopfschmerzen (vom Feieranbendbier zuvor) war da irgendwie etwas Aufregung da. Der Gedanke mit den Alpakas ließ uns nicht los. 

Aber wie sollten wir das anstellen? Allein von Alpakas kann man bestimmt nicht leben. Und vor allem: Was werden unsere Eltern dazu sagen? Schließlich waren wir zu diesem Zeitpunkt 17 und 21 Jahre. Doch mit jedem Gedanken an diese spontane Idee erhöhte sich gleichzeitig unser Puls.

Also suchten wir einfach mal im Internet nach Alpakas. Und zack – als wäre es geplant gewesen, bot zufällig eine Person aus dem Nachbardorf sieben Alpakas zum Kauf an. Wow – das konnte kein Zufall sein! Wir riefen gleich dort an und schauten uns die Tiere an. Zuvor hatten wir noch nie Alpakas aus nächster Nähe gesehen. Wir kamen an, es regnete, die Tiere waren patschnass und sahen uns mit ihren riesigen Kulleraugen an. Wir haben dann erst einmal angefangen, uns zu informieren, Zaun, Futter, Unterstand etc. Wenn wir etwas machen, dann richtig. Wir besuchten zwei Züchter, unterhielten uns mit ihnen und entschlossen uns dann, die sieben Tiere zu kaufen.

„Wir waren wie im Tunnel – und dann plötzlich hatten wir es“

Voller Begeisterung erzählten wir unseren Eltern und Großeltern von der Idee. Wir bieten in der Rhön Alpaka-Wanderungen an! Das Stirnrunzeln und die Schockstarre waren so stark, dass wir erst dachten, wir hätten irgendwas Schlimmes verbrochen. Es war nicht einfach, die Familie zu überzeugen. ,Ihr habt doch einen sicheren Job‘, ,Euch ist bewusst, dass das Tiere sind? Da muss man sich jeden Tag darum kümmern‘, ,Mach doch erstmal deinen Techniker nebenbei fertig und dann schau weiter und ,Wie wollt ihr davon Leben?

Nach diesem Gespräch war unsere Stimmung erstmal im Keller. Doch trotzdem stellten wir uns folgende Fragen: Was, wenn wir unsere Schnapsidee einfach ausprobieren? Was wäre, wenn die Idee funktioniert und wir jedes Wochenende Wanderungen oder ähnliches mit den Tieren anbieten könnten? Es ratterte nur noch in unserem Kopf. Wir kauften uns ein Whiteboard und brainstormten jeden Abend bis spät in die Nacht. Wochenlang waren wir hin- und hergerissen. Wir waren wie im Tunnel. Und dann plötzlich hatten wir es: ,Rhönmomente– die dir keiner nehmen kannDas war es! Wir spielten unsere Idee weiter und entschlossen uns, es durchzuziehen.

Die Vision war es, geführte Themen-Wanderungen in der Rhön anzubieten. Von jetzt an sollte sich unser Leben ändern! Wir nahmen das ganze ersparte Geld unserer Ausbildung für den Startschuss von Rhönmomente. Im April 2018 zogen sieben Alpakas bei uns ein.

Die Anfänge waren voller Energie und Euphorie. Es fühlte sich so aufregend an, alleine ins Unbekannte zu fahren. Wie baue ich eine Webseite? Wie nehmen Menschen diese Idee an? Werden wir ausgelacht? Wie zur Hölle sollen wir es schaffen, dass Menschen zu uns nach Ginolfs kommen? 

Hol dir Tipps von Menschen, die hingefallen und wieder aufgestanden sind“

Es war so unglaublich aufregend, als wir damit starteten. Dieses Gefühl hatten wir zwei Jahre lang, und wir waren uns für absolut nichts zu schade. Nach der Arbeit saßen wir oft bis 23 oder 24 Uhr am PC und arbeiteten weiter. Früh um 5 Uhr aufstehen und ab zur Arbeit. Marc-André hatte damals Nachtschicht, er kam um 6:30 Uhr nach Hause, nahm gleich die Verpflegung für die Wanderung beim Bäcker mit und dann ging es los mit 35 Leuten. Und das mit guter Laune ohne, dass es die Gäste bemerkten.

Dann war es soweit. Die Idee, zu kündigen rückte immer näher. ,Lass es uns machen, es wird schon klappen.Es war das Jahr 2021 und Marc-André kündigte als Erster. Jeder hatte uns geraten, das nicht zu tun, gerade in der Corona-Zeit. Wer wusste schon, wie es weitergehen würde? Vielleicht könnten wir nie wieder Wanderungen anbieten? Aber wir hatten in den ersten zwei bis drei Jahren gelernt: Höre nicht auf diejenigen, die dort sind, wo du nicht sein möchtest. Hole dir stattdessen Rat von deiner Familie, überlege sorgfältig und hol dir Tipps von Menschen ein, die dieses Gefühl schon erlebt haben. Die bereits hingefallen und wieder aufgestanden sind.

Auch diese Phase war super aufregend, doch so langsam kam der Alltag. Florian kündigte etwa ein Jahr später und wir bauten im Haus unserer Ur-Großeltern unser Büro. Der Hühnerstall wurde zum Versandlager für den Onlineshop. Jetzt kamen immer wiederkehrende Aufgaben: E-Mails beantworten, Telefonate führen, Versand erledigen, Wanderungen durchführen, Alpakas ausmisten, Büro putzen, Bestellungen durchführen, Buchhaltung, Finanzamt und all das begann, die anfängliche Euphorie etwas zu dämpfen. Hier begann die Phase, in der wir uns fühlten, als würden wir feststecken. Irgendwie war das Feuer weg. Doch aufgeben kam nicht infrage.

Wir stellten die ersten Mitarbeiter:innen ein und versuchten, Aufgaben zu delegieren. Hier standen wir jetzt, gerade am Anfang der Transformation unseres chaotischen Startups in ein kleines, aber feines Unternehmen.

Es läuft noch lange nicht so, wie wir es gerne hätten, das geben wir offen und ehrlich zu. Doch mittlerweile haben wir unser Feuer wieder gefunden, weil wir gemerkt haben, an welchen Stellschrauben wir drehen müssen. Manchmal fehlt uns noch das richtige Werkzeug dazu, aber wir haben so unglaublich Bock weiterzumachen. Es freut uns auch extrem, dass wir so viele Menschen für unsere Idee begeistern können – für die Rhönmomente! Auch das ist etwas, was uns anspornt. Die Anerkennung und das Feedback von Menschen, die wir treffen oder die an einer Wanderung teilnehmen, sind für uns von unschätzbarem Wert.

Marc-André und Florian Janz haben die Rhönmomente in einem 350-Einwohner-Dorf im Nordwesten von Bayern gegründet. Aus einer guten Idee haben sie ein Unternehmen mit inzwischen elf Mitarbeitenden, 26 Tieren und rund 57.000 Followern auf Instagram gemacht. 2025 wurden sie mit dem Bayerischen Tourismuspreis ausgezeichnet. Nicht nur Familien und Freundesgruppen gehen mit den Rhönmomenten wandern, auch Firmen buchen Wanderungen als Events. Während der Pandemie hielten sie ihr Startup unter anderem mit Video-Bier-Verkostungen über Wasser – Marc-André ist auch Bier-Sommelier. Neben Bier- und Kräuter-Wanderungen gibt es inzwischen Sternen-Wanderungen, denn der Himmel über der Rhön ist weitgehend verschont von Lichtverschmutzung. Im Rhönmomente-Laden werden unter anderem Produkte aus Alpaka-Wolle verkauft. Die Brüder sind innovationsfreudig: So haben sie unter anderem die „Rhöner Hopfenkoffer entwickelt, mit der sie das Bier der Rhön als Koffer deutschlandweit versenden können.